Es ist kompliziert…

Bereits seit über sechs Wochen sitze ich, wie so viele andere, aufgrund der COVID-19 Epidemie in Quarantäne. Die ersten Wochen waren ja noch ganz okay, vielleicht sogar ganz gut… Dank Heimisolation und der damit verbundenen Alternativlosigkeit habe ich es endlich geschafft, meine Masterarbeit fertig zu schreiben. Und den Karton, der sich seit Monaten in der Ecke gestapelt hat, habe ich sachgerecht zu „Bündeli“ geschnürt. Doch das zufriedenstellende Gefühl, das normalerweise mit der Vollbringung derartiger Leistungen einhergeht, verflog ziemlich schnell wieder und alles was blieb, war eine seltsame Mischung aus Langeweile, Aufregung und Existenzängsten, begleitet von der stetig lauernden Frage, ob es vielleicht nicht besser gewesen wäre, die Beendigung der Masterarbeit noch ein klein wenig hinauszuzögern.

Methoden, diesem Gefühlschaos zu entkommen und den Tagen wieder Ordnung, Struktur und Abwechslung geben, kennen das Internet und meine Instagram-Freunde schon lange… Es scheint alles ganz einfach: Endlich eine Yoga-Challenge starten und auch durchziehen, Sauerteigbrot backen und den Starter selber machen, Fitness Videos anschauen und tatsächlich auch mittrainieren, lustige TikTok Videos für die Freunde drehen, um zu beweisen, dass man den Humor noch nicht verloren hat, Bücher über Philosophie und Feminismus lesen, damit man nicht dümmer, sondern schlauer aus der Quarantäne kommt, endlich mal die Kleider ausmisten, nachhaltige Alternativen in den Alltag implementieren, in unzähligen Videocalls mit unzähligen Freunden unzählige Male dasselbe erzählen, um danach unzählige Male dasselbe zu hören zubekommen, neue Rezepte ausprobieren und schliesslich, und das scheint gerade nach Abgabe der Masterarbeit besonders wichtig, endlich mal das Leben (zumindest in groben Zügen) planen… Ich habe nun praktisch alles durch (der Kleiderschrank will noch ausgemistet werden und das Leben bleibt vorerst ungeplant). Es mag erstaunen, aber viel hat sich deswegen nicht zum Besseren verändert.

Zwar war Tiger King irgendwie genial und das Sauerteigbrot auch tatsächlich lecker, aber mir ist trotz allem immer noch langweilig und ich bin auch immer noch hauptsächlich genervt von der gesamten Situation. Ausserdem blieben scheinbar verborgende Talente weiterhin verborgen (leider muss man sagen). Das Ganze ist nun einmal kompliziert. Und da ich das Schreiben an meiner Masterarbeit irgendwie vermisse und sonst echt nichts zu tun habe (von Bewerbungsschreiben mal abgesehen, aber das ist so eine Sache…), gebe ich mich hiermit auch noch dem letzten Corona-Klischee hin und initiiere einen Blog. Wer weiss, vielleicht handelt es sich hierbei schlicht um eine dieser im Corona-Wahn zustande kommenden Schnapsideen, die man nach kürzester Zeit wieder aufgibt, ohne jemals jemandem etwas davon zu erzählen. Mal sehen…